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Spekulationen um Marc Márquez: Was steckt dahinter?

Von Günther Wiesinger
Marc Márquez beim Sieg in Texas

Marc Márquez beim Sieg in Texas

Honda rückte bisher kaum neue Informationen zum Gesundheitszustand von Marc Márquez heraus. Das führte zu wilden Gerüchten. Der Spanier könnte allerdings auch in Valencia fehlen.

Repsol-Honda informierte die Öffentlichkeit am vergangenen Dienstag mit einer sehr dürren Pressemitteilung über die neuerliche Verletzungspause von Marc Márquez. Er habe bei einem Offroad-Trainingsunfall am Samstag eine leichte Gehirnerschütterung erlitten, die Ärzte empfahlen ihm ein paar Tage Pause, er werde deshalb beim Portimão-GP fehlen, wurde verlautbart.

Am Wochenende wurden vier Tage lang eisern keine weiteren Neuigkeiten verkündet, obwohl Marc Márquez nach den zwei Siegen hintereinander in Texas und Misano-2 natürlich wieder im Mittelpunkt des Interesses steht.

Die Journalisten stießen beim Algarve-GP bei HRC auf einer Mauer des Schweigens, Teamprinzipal Alberto Puig verweigerte auch langjährigen spanischen Berichterstattern jegliche Auskunft. Die Kommunikationsbereitschaft von HRC wird seit dem Abgang von Livio Suppo und Shuhei Nakamoto stets bemängelt.

Und wo eine Nachrichtensperre verhängt wird, wachsen natürlich die Gerüchte.

So darf man sich nicht wundern, wenn manche Kollegen jetzt spekulieren, Márquez sei stärker verletzt als berichtet. Im Fahrerlager und im Media Centre beim Algarve-GP wurden sogar Spekulationen laut, der sechsfache MotoGP-Weltmeister werde womöglich gar nie mehr auf eine GP-Rennstrecke zurückkehren.

Über diese Verschwörungstheorien braucht sich Honda nicht zu wundern, denn schon nach dem Jerez-Crash im Juli 2020 hatten gut informierte Kreise im August berichtet, Márquez könne 2020 kein Rennen mehr bestreiten. Und das hat sich bewahrheitet!

Honda hingegen tat dauernd so, als würde der Repsol-Honda-Star beim nächsten oder übernächsten Rennen wieder am Start stehen.

In Wirklichkeit musste dann von der zweiten Operation am rechten Oberarm berichtet werden, nachher von der dritten, dazu gab es zwei Knochentransplantationen und eine hartnäckige Infektion.

Die GP-Rückkehr konnte nicht einmal im März 2020 bei den ersten Tests stattfinden. Marc verpasste die ersten zwei Grands Prix in Doha/Katar und trat erst am 18. April in Portugal wieder zu einer MotoGP-Wettfahrt an.

Marc Márquez: Heute Untersuchung

Auch wenn Honda alle Fans und Medien zuletzt im Unklaren ließ, so steht immerhin fest: Marc Márquez wird sich heute wieder einem Medical Check unterziehen. Dann wird entschieden, ob er am Freitag ins Valencia beim WM-Finale ins FP1 einsteigen oder durch Stefan Bradl wird.

Da Honda bisher wenig Auskunft über die genaue Art der aktuellen Verletzung von Márquez Auskunft gibt, wird heftig spekuliert.

Man erinnert sich, dass der Spanier in der Moto2-WM 2011 zuerst am Ende des FP1 in Phillip Island einen schweren Crash gegen Wilairot verursacht hat und nach einem weiteren Sturz eine Woche später in FP1 von Sepang für die restlichen zwei Grand Prix ausfiel.

Aus dem Márquez-Lager wurde damals berichtet, der Ausnahmekönner sehe binokulare Doppelbilder. Sie entstehen dann, wenn die Augenmuskeln nicht richtig arbeiten.

Auch beim Valencia-Finale wählte die Márquez-Truppe damals eine Salami-Taktik. Sie verschob seinen Einsatz vom FP1 auf das FP2, dann aufs FP3. Erst als er auch zum Qualifying nicht antrat, durfte sich Stefan Bradl als neuer Weltmeister fühlen.

Das scheibchenweise Herausrücken von unerfreulichen Tatsachen hat also bei Marc Márquez zehn Jahre Tradition.

Man will sich trotzdem nicht daran gewöhnen.

SPEEDWEEK.com hat sich bemüht, ein paar verlässliche Informationsquellen anzuzapfen. So sind wir zur Vermutung gekommen, dass Marc Márquez am Wochenende in Valencia noch einmal fehlen wird.

Denn er hat ja beim zweiten Jerez-GP im Juli 2020 erlebt, wozu das überstürzte Comeback nach der ersten Oberarm-OP geführt hat. Zu einer genau neunmonatigen Rennpause!

«Ich bezweifle, dass Marc in Valencia fahren wird», teilte uns ein Insider mit. «Es macht für HRC absolut keinen Sinn, jetzt in dieser Saison mit ihrem sehr teuren 'asset' weitere Risiken einzugehen.»

Unsere Nachforschungen ergaben, dass HRC froh wäre, wenn Marc wenigstens am 18. und 19. November am Zwei-Tage-Test in Jerez teilnehmen könnte. Dort muss er die Richtung für den 2022-Prototyp vorgeben, den er am 21./22. September in Misano bereits getestet hat und den Stefan Bradl seither noch einmal in Misano fuhr. Am nächsten Montag soll ihn der Bayer in Jerez noch einmal drei Tage fahren – mit neuen Updates. Danach sollen Marc Márquez und Pol Espargaró dort damit antreten.

Während sich manche Fahrer-Manager und Journalisten schon fragen, ob Iker Lecuona von HRC 2022 statt in die Superbike-WM in die MotoGP geschickt werden muss, halten wir uns lieber an die Fakten.

Márquez hat bei den vier Rennen vor Portimão 83 Punkte einkassiert, Quartararo 66, Bagnaia 61. In der WM 2021 hat er nichts mehr zu gewinnen und zu beweisen. Aber er ist ein Titelanwärter für die nächste Saison. 

«Unser Fokus liegt auf 2022», betont Honda-Testfahrer Stefan Bradl seit Monaten.

Honda will nach den Titelgewinnen von Suzuki und Yamaha endlich zurückschlagen. 

Marc Márquez hat im Februar 2020 bei HRC einen neuen Vier-Jahres-Vertrag für 2021 bis Ende 2024 unterschrieben. Die Mitbewerber gehen von einer Jahresgage von ca. 20 Millionen Euro aus. Auf dieses nette Sümmchen wird der Superstar nicht verzichten, solange er noch Chancen auf Rennsiege wittert. 

Honda hat 2020 und 2021 erkannt, wie wertvoll die Aktie Marc Márquez ist. Er ist vorläufig der einzig wirkliche Aktivposten in der «premier class», wenn es um Titelkandidaten geht. 

Marcs einmal operierte rechte Schulter und sein dreimal operierter rechter Oberarm wurden in diesem Jahr arg strapaziert. Er klagte immer wieder, dass seine Genesung viel langsamer voranschreite als erwartet,. 

Vielleicht wird sein Comeback deshalb sogar bis zu den Tests im Februar 2022 verschoben.

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