Valentino Rossi nimmt Abschied mit seinen 9 WM-Bikes

Valentino Rossi mit seinen WM-Motorrädern
Aus Anlass von Valentino Rossis letzten MotoGP-Rennen brachten Aprilia, Honda und Yamaha alle neun Rennmotorräder nach Valencia, mit denen der Italiener einen WM-Titel gewonnen hat. Der 115-fache GP-Sieger besitzt auch alle Maschinen, nur keine der drei Sieger-Honda von 2001, 2002 und 2003.
Rossi ließ durchblicken, dass ihm besonders die 500-ccm-Honda von 2001 eigentlich zusteht. «Aber aus irgendwelchen Gründen ist sie nie zu mir nach Tavullia gebracht worden. Ich rede jetzt mit Alberto Puig darüber. Besonders die 500er steht mir zu. Ich habe auch schon einen schönen Platz für sie. Honda muss keine Angst haben, sie wird bei guter Temperatur auf einem schönen Platz aufbewahrt werden», sagte Rossi, der dann 2002 und 2003 auch die ersten beiden WM-Titel der MotoGP-Viertakt-Ära für Honda gewonnen hat – mit der 990-ccm-Fünfzylinder.
Valentino musste sich aber damals immer anhören, sein Erfolg habe in erster Linie mit den überragenden Motorrädern zu tun. «Ich wollte zeigen, dass der Fahrer den Unterschied ausmacht.»
Deshalb wechselte Valen ach 2003 zu Yamaha, gewann dort gleich das erste Rennen in Welkom und dann den WM-Titel 2004 auf der M1, es war der erste Titel in der «premier class» seit Wayne Rainey 1992.
Ich erinnere mich gut an den Portugal-GP in Estoril im Herbst 2003. Damals zeichnete sich Rossis Wechsel zu Yamaha erstmals ab, HRC-Manager Suguru Kanazawa wollte ihn aber nicht wahrhaben.
«Wenn Rossi wirklich weggeht, bauen wir ein noch besseres Motorrad und zerstören ihn», räumte Kanazawa ein.
Der Rest ist bekannt: Rossi wurde auf Yamaha Weltmeister 2004, 2005, 2008 und 2009.
Und Kanazawa wurde in die Rasenmäher-Abteilung strafversetzt, weil er den unschlagbaren Rossi rausgeekelt hatte.
Rossi: «Ich weine nicht oft»
Valentino Rossi wirkte auch bei dieser Pressekonferenz heute sehr gefasst, bei keiner Frage war etwas von Rührung zu spüren. «Ich weine nicht oft. Ich denke, das wird sich auch an diesem Wochenende nicht ändern», meinte er.
Rossi bestreitet an diesem Wochenende seinen 432. Grand Prix. bisher haben seit 1949 genau 974 Grands Prix stattgefunden, er hat also an 44,2 Prozent aller GP-Events teilgenommen. Er beendet am Sonntag seine 26. GP-Saison. Das Debüt feierte er mit der Aprilia 125 im Jahr 1996 in Shah Alam/Malaysia. Im selben Jahr gewann er in Brünn seinen ersten Grand Prix.
Rossi war natürlich begeistert, als er zwischen seinen neuen WM-Siegermaschinen Aufstellung nahm.
«Ich habe eine spezielle Saison hinter mir, besonders seit meiner Rücktrittsankündigung in Österreich Anfang August», räumte Vale ein. «Ich wollte ein ‚normales‘ Wochenende absolvieren, aber das lässt sich nicht machen, das habe ich schon gesehen. Es sind großartige Emotionen im Spiel. Es war schön, alle neun Motorräder zu sehen, dazu die vielen Fahrer, die gekommen sind, um mich zu verabschieden. Das ist ein fantastisches Gefühl. Ich hoffe, wir werden gutes Wetter haben, vor allem am Sonntag. Ich werde das Maximum geben an diesem Wochenende.»
Yamaha von 2004 im Schlafzimmer
Welche Erinnerungen kamen bei Valentino beim Anblick seiner neun WM-Bikes hoch?
«Ich habe alle Werks-Yamaha in meinem Haus. Das 2004-Modell steht in meinem Schlafzimmer. Ich sehe das Motorrad an jedem Morgen, sobald ich erwache.»
Übrigens: Die Werks-Aprilia 125 von 1997 und 250 von 1999 stehen beim Fanclub in Tavullia.
«Den ersten WM-Titel habe ich vor sehr langer Zeit gewonnen», räumte Vale ein. «Und seit dem letzten Titelgewinn 2009 sind auch schon wieder wwölf Jahre vergangen.»
«Als ich den Rücktritt in Österreich angekündigt habe, bekam ich viele Nachrichten und viel Unterstützung», blickt der Yamaha-Star zurück. «Besonders von all den anderen Fahrern. Aber auch von Piloten aus der Vergangenheit und von meinen alten Rivalen; das war großartig.»
«Jetzt fahre ich hier in Valencia mein letztes Rennen, und dieser Schauplatz ist ein besonderer, aber eher im negativen Sinne», lachte er. «Aber das lässt sich nicht ändern. Ich gebe zu, ich spüre vor diesem GP-Wochenende ein seltsames Gefühl. Ich versuche, ganz normal zu agieren. Denn normalerweise ist der Valencia-GP ein gutes Rennen für alle, den hier geht immer eine lange GP-Saison zu Ende, die im März begonnen hat. Jeder freut sich auf Urlaub und ein paar Tage daheim.»
«Eigentlich müsste sich mein Leben ab Montag schlagartig ändern, es sollte alles anderes sein als bisher», grübelte Rossi. «Aber ich versuche das zu ignorieren, denn erstens werde ich Autorennen fahren, dazu werde ich im Januar erstmals Vater, und ich möchte diese neue Lebensphase genießen. Natürlich wird sich mein Leben ändern, wenn ich nicht mehr MotoGP-Fahrer bin. Aber ich bleibe dem Motorradsport weiter verbunden, durch das Team, durch die VR46 Riders Academy. Ich werde sicher einzelne Grand Prix besuchen. Vielleicht erlaubt man mir sogar, auch künftig mein Motorhome ins Fahrerlager zustellen, wenn ich vorbei komme…»
Der in der ersten Reihe sitzende Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta verstand die Botschaft – er nickte zustimmend!