Randy Mamola über die alten Zeiten: «Wir waren gut!»
Der Rückzug des Suzuki Ecstar-Teams aus der MotoGP-WM per Jahresende 2022 hat nicht nur viele Fans und aktuelle Teammitglieder überrascht, sondern auch ehemalige Suzuki-Stars wie Randy Mamola, den vierfachen 500-ccm-Vizeweltmeister und 13-fachen Halbliter-GP-Sieger.
HB-Suzuki gönnte sich nach 1983 als Werksteam eine schöpferische Pause und überliess das Feld den Suzuki-Privatteams aus aller Welt. Die Japaner kehrten erst 1988 mit der neuen V4-Maschine in die 500er-WM zurück. Kevin Schwantz, der aufgehende Suzuki-Stern aus Texas, gab damit in Assen ein erstes Gastspiel. 1989 bestritt er die ganze WM und beendete sie als Gesamtvierter. 1993 gewann er mit diesem Bike die WM, im Jahr 2000 gelang dieses Kunststück auch Kenny Roberts junior.
Nach 2011 trat Suzuki mit der erfolglosen 500-ccm-V4-Suzuki wieder einmal zurück – und kehrte 2015 mit der neuen Reihenmotor-GSX-R wieder in die «premier class» zurück.
Mamola: Suzuki machte ihn 1983 arbeitslos
«Suzuki hat sich auch am Saisonende 1983 zurückgezogen», blendet Randy Mamola zurück, der seit vielen Jahren mit seiner belgischen Frau Barbara sowie Tochter Taylor und Sohn Dakota südlich von Barcelona in Sitges/Spanien lebt. «Ein Teil der Begründung war, dass Suzuki für 1984 kein neues Triebwerk bereit hatte. Wir fuhren damals mit der Square-Four-Engine, bei der die vier Zylinder quadratisch angeordnet waren. Dieser Motor war fantastisch, besonders Barry Sheene hat damit 1976 und 1977 in der 500er-WM dominiert. Klar, Kenny Roberts hat die Weltmeisterschaft dann 1978 bis 1980 dreimal für Yamaha gewonnen. 1980 habe ich gegen Kenny um den Titel gekämpft. Er hat mich um 15 Punkte besiegt.»
«Kenny bekam dann 1981 bei Yamaha das erste V4-Triebwerk. Aber Suzuki gewann die WM 1981 und 1982 noch einmal mit Lucchinelli und Uncini», erinnert sich der populäre Kalifornier. «Nachher kreuzte Honda mit dem neuen, handlichen 500-ccm-Dreizylinder-Bike auf; Freddie Spencer gewann damit 1983 erstmals die WM. Der Square-Four-Motor von Suzuki war nicht mehr richtig konkurrenzfähig. Ich konnte 1983 damit keine Rennen mehr gewinnen, bin aber hinter Freddie und Kenny WM-Dritter geworden. Da Eddie Lawson mit der zweiten Werks-Yamaha WM-Vierter wurde, lagen wir Amerikaner am Schluss auf den WM-Positionen 1, 2, 3 und 4.»
«Suzuki hat nachher am Jahresende recht überraschend den Rückzug aus der 500er-WM verkündet», sieht Mamola gewisse Parallelen zu 2022, auch wenn die Ankündigung diesmal bereits im Mai erfolgt ist.
Seltsam ist nur: Im November 2021 hat Suzuki bei der Dorna einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag für die MotoGP-WM unterzeichnet.
Der Diesel-Skandal von Suzuki, die teure Entwicklung von E-Automobilen, der Rückgang der Motorrad-Verkaufszahlen bei Suzuki, die drohende Wirtschaftskrise wegen des Kriegs in der Ukraine – alle möglichen Gründe kursierten für die Beendigung des MotoGP-Engagements.
Randy Mamola stand nach der Saison 1983 ohne Vertrag und ohne Motorrad da – ähnlich wie die Suzuki-Asse Joan Mir und Alex Rins im vergangenen Mai.
Barry Sheene hatte nach 1979 von Suzuki genug
Barry Sheene verließ das Suzuki-Werksteam Ende 1979 als WM-Dritter, unter anderem weil die Japaner zu viele Fahrer ausrüsteten. Die Suzuki-Meute beschlagnahmte damals in der WM die Ränge 2 bis 10. Aber: «King Kenny» Roberts gewann den WM-Titel auf der Werks-Yamaha!
Sheene gründete für 1980 sein privates Akai-Yamaha-Team, trat überraschend mit zwei unterlegenen privaten Production-Racern TZ500 an. Er fand jedoch trotz des enttäuschenden 15. WM-Rangs und seiner Rivalität zu Roberts für 1981 Unterschlupf im Yamaha-500-ccm-Werksteam.
Sheene genoß dank seiner Popularität den vollen Support von Yamaha und landete 1982 nur zwei Punkte hinter Roberts in der WM an vierter Stelle. Den Titel sicherte sich Lucchinelli vor Mamola (beide Suzuki), weil die V4-Yamaha noch an Kinderkrankheiten litt.
So brach beim Finnland-GP auf dem Straßenkurs in Imatra das Magnesium-Gehäuse an beiden Motorrädern. Das Leichtmetall widerstand den Belastungen des holprigen Bahnübergangs nach der ersten Kurve auf Dauer nicht. «Die Yamaha-Ingenieure sind nachlässig», feixte Roberts. «Denn sie haben in Japan eine Teststrecke ohne Eisenbahnkreuzung gebaut.»
«Kennys neue V4-Yamaha ging auch in Österreich kaputt, ich habe mit der Suzuki gewonnen. Ich war dann auf WM-Kurs und habe gegen den verdammten Lucchinelli um den Titel gekämpft», schildert Mamola.
Nach der Saison 1983 wurde Randy Mamola als WM-Dritter und arbeitslos gewordener Suzuki-Pilot von Honda gerettet. «Der spätere HRC-Manager Oguma hat damals für Honda in Kalifornien gearbeitet. Ich habe ihn gefragt, ob er mir eine Honda 500 für Laguna Seca und die Match Races im April 1984 besorgen kann. Die 500er-WM 1984 ging in Kyalami ohne mich los, bei Freddie brach an der neuen V4-Honda das Karbon-Hinterrad. Yamaha gewann mit Eddie Lawson. Freddie siegte danach in Misano, dann folgten die Match Races, also der Länderkampf zu Ostern zwischen USA und Großbritannien. Freddie hat sich dort verletzt. Ich bekam dann eine Dreizylinder-Honda und fuhr bei allen zehn folgenden Rennen aufs Podest, nur in Schweden bin ich ausgeschieden, dreimal habe ich gewonnen. Dabei konnte ich vor meinem ersten Grand Prix mit der Dreizylinder-Honda keinen Kilometer testen», erzählte Randy.
Mamola sicherte sich 1984 als bester Honda-Pilot den zweiten WM-Rang hinter Lawson (Yamaha), vor dem Honda-Trio Roche, Spencer und Haslam.
«Ich habe als Privatfahrer erfolgreich gegen alle Stars gekämpft. Ich habe meinen Chefmechaniker Mike Sinclair von Suzuki mitgenommen und ihn aus meiner eigenen Tasche bezahlt», erinnert sich Randy im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Ich bin in den Honda-Farben rot-weiß-blau gefahren. Ich war der Chef des Team Mamola und hatte keine großen Sponsoren.»
Mamola verlor den Titel damals mit 111 Punkten zu 142 gegen Yamaha-Star Eddie Lawson. «Dabei habe ich bei den ersten zwei Rennen kein Motorrad gehabt und habe in Salzburg beim vierten Saisonrennen meinen 9-Sekunden-Vorsprung auf den Drittplatzierten Freddie freiwillig aufgegeben, um ihm auf seiner V4-Honda Platz 2 zu überlassen. Mit der privaten Dreizylinder hatte ich auf diesen ultra-schnellen Piste auf die Dauer keine Chance auf den Sieg gegen die Vierzylinder-Werks-Yamaha von Eddie.»
«Auf dem Podest habe ich Freddie gefragt: ‘Gibt’s du mir das Preisgeld für den zweiten Platz? Er hat entgegnet: ‘Warum hast du das getan?’», erzählt Mamola. «Wir haben ja damals von den GP-Veranstaltern das Preisgeld noch in bar in Briefumschlägen bekommen.»
Der spektakuläre Driftkünstler Mamola: «Ich habe mich mit meinem Manöver in Salzburg bei Honda für ihr Entgegenkommen revanchiert, denn sie haben mir ein Sieger-Motorrad gegeben, als mich Suzuki im Stich gelassen hat», ergänzte der Amerikaner, der in der 500er-WM Werksmaschinen von Suzuki, Honda, Yamaha und Cagiva (1988 bis 1990) gesteuert hat.
«Als sich Freddie im Juli 1984 in Laguna Seca wieder verletzte, gab mir Honda seine V4-Honda für den Silverstone-GP – und ich gewann damit. Wieder ohne vorherige Testfahrten.»
Auch Privatfahrer Raymond Roche bekam für den British Grand Prix eine V4-Honda. Er sorgte auf Anhieb für die Pole-Position.
Kein Wunder, wenn Randy bei den Gedanken an die guten, alten Zeiten ins Schwärmen kommt: «Ich prahle nicht… Aber hör’ zu – wir waren gut!»
Die 500-ccm-WM-Bilanz von Randy Mamola
1979: 500 ccm auf Suzuki, 29 Punkte, 8. WM-Rang
1980: 500 ccm auf Suzuki, 72 Punkte, 2. WM-Rang
1981: 500 ccm auf Suzuki, 94 Punkte, 2. WM-Rang
1982: 500 ccm auf Suzuki, 65 Punkte, 6. WM-Rang
1983: 500 ccm auf Suzuki, 89 Punkte, 3. WM-Rang
1984: 500 ccm auf Honda, 111 Punkte, 2. WM-Rang
1985: 500 ccm auf Honda, 72 Punkte, 6. WM-Rang
1986: 500 ccm auf Honda, 105 Punkte, 3. WM-Rang
1987: 500 ccm auf Yamaha, 158 Punkte, 2. WM-Rang
1988: 500 ccm auf Cagiva, 58 Punkte, 12. WM-Rang
1989: 500 ccm auf Cagiva, 33 Punkte, 18. WM-Rang
1990: 500 ccm auf Cagiva, 55 Punkte, 13. WM-Rang
1992: 500 ccm auf Yamaha, 45 Punkte, 10. WM-Rang